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Verloren und wiedergefunden – Paradiese

Liebe Gäste,

was ist ein Paradies? Vielleicht kein Ort, sondern ein Zustand – ein Moment der Vollkommenheit, in dem Klang, Raum und Mensch zusammenkommen. Solche Augenblicke zu suchen, ist eine der ältesten Aufgaben der Musik – und eine, die uns als Dresdner Philharmonie bewegt.

In dieser Saison widmen wir uns dem Spannungsfeld zwischen Verlorenem und Wiedergefundenem. Denn jedes Paradies trägt die Erinnerung an seinen Verlust oder dessen Erwartung in sich. Vielleicht liegt darin seine Wahrheit: dass wir es nicht besitzen, sondern immer wieder neu erschaffen müssen – in der Musik, im Miteinander, im Augenblick.

Zu Saisonbeginn erklingt Mendelssohns ›Lobgesang‹ mit dem Dresdner Kreuzchor: Musik des Glaubens und der Zuversicht, dass Licht und Hoffnung stets neu erstrahlen können.

Unser Chefdirigent Sir Donald Runnicles eröffnet die Saison mit zwei Werken, die Rausch, Verführung und Missbrauch des Ideals spiegeln: Respighis ›Pini di Roma‹, eine hymnische Liebeserklärung an eine mythisch aufgeladene Stadt, und Orffs ›Carmina Burana‹, jenes ekstatische Klangfest, das von den Nationalsozialisten vereinnahmt wurde. Musik als Ausdruck menschlicher Sehnsucht – und als Warnung.

Im Zentrum des Herbstes stehen unsere Georgien-Spotlights, kuratiert von Lisa Batiashvili, die u.a. mit ›City Lights‹ Klang- und Bildwelten erschafft, und der Schriftstellerin Nino Haratischwili, deren neuer Roman ›Die fremden Paradiese‹ der Saison ihr literarisches Echo gibt. Gemeinsam schlagen wir Brücken zwischen Ost und West, Erinnerung und Aufbruch, zwischen Kulturen, die sich gegenseitig inspirieren.

Im Beethoven-Gedenkjahr feiern wir den Komponisten als musikalisches Gewissen Europas und als Sucher nach Freiheit und Humanität. Mit unserem Artist in Residence Kirill Gerstein und einer neuen Ausgabe von Beethovens Oper ›Leonore‹, der ersten Fassung des späteren ›Fidelio‹, erkunden wir Wege und Irrwege zur Utopie.

Der neue Konzertsaal im Kulturpalast – offen, transparent, klangdurchdrungen – ist selbst ein Symbol dafür, wie Dresden sein musikalisches Erbe bewahrt und in die Zukunft trägt. Im April 2027 feiert er sein erstes Jubiläum: 10 Jahre neuer Konzertsaal!

›Paradiese‹ ist auch ein Motto für unsere Stadt und unsere Zeit: für den Wunsch nach Schönheit in einer Welt der Umbrüche, den Mut zum Neuen und die Hoffnung, dass Musik uns – wenigstens für einen Moment – ein Stück Paradies erfahren lässt.

Ich freue mich auf Sie bei den Konzerten der Dresdner Philharmonie!

Herzlichst

Ihre

Design ohne Titel

Frauke Roth

Intendatin